Ernährungsumstellung bei Kindern: vor dem Start erst zum Arzt

Wenn Eltern die Ernährung ihrer Kinder auf eigene Faust umstellen, kann das gefährlich werden - Ärzte warnen vor langfristigen Folgen

Ärzte mahnen zur Vorsicht bei Ernährungsumstellungen von Kindern. © RIDO / FOTOLIA

Gerade zum Jahresanfang haben viele Menschen den guten Vorsatz gefasst, sich gesünder zu ernähren. Nicht selten stellen Eltern auch die Ernährung ihrer Kinder um - besonders dann, wenn sie eine Lebensmittel-Unverträglichkeit bei ihrem Nachwuchs vermuten. So sind manchmal eher harmlose Bauchschmerzen der Auftakt für eine ungesunde Entwicklung. Bei Kindern können Bauchschmerzen relativ häufig auftreten. Doch meist gibt es keine organischen Ursachen.

Nicht diagnostizierte Nahrungsmittel-Intoleranz

„Es ist geradezu ein Diäten-Hype entstanden, den wir Kindergastroenterologen gar nicht gutheißen“, sagt Dr. Martin Claßen, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Links der Weser und Erster Vorsitzender der Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE). Ein aktueller Trend sei die glutenfreie Kost, ohne dass es den Beweis für eine lebenslange Unverträglichkeit gegenüber dem Gluten gibt. Gluten ist in den meisten Getreidesorten enthalten. Auch „beliebt“ sei die Lactoseintoleranz, ohne dass es eine ärztliche Diagnose dafür gibt, dass der angeblich Betroffene den Milchzucker nicht verträgt.

Risiken durch Fehl- oder Mangelernährung

„Jede Diät kann zu Einschränkungen der Lebensqualität der Kinder führen“, warnt Claßen. Eine damit verbundene Mangel- oder Fehl-Ernährung könne die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern langfristig gefährden. Zwar seien Ratschläge aus diversen Elternmagazinen oder Foren gut gemeinte Tipps, doch ergäben sich so auch Risiken für eine Fehl- oder Mangelernährung. Viele Nährstoffe, auf die Kinder in ihrer Entwicklung besonders angewiesen seien, würden ihnen durch unnötige Diäten vorenthalten. Und nebenbei bekämen sie so auch den Eindruck, dass Lebensmittel eine Gefahr für sie sein könnten.

Wichtige Mikronährstoffe für Kinder

Vor allem auf Mikronährstoffe wie Vitamin D, Folsäure, Eisen und Kalzium sollten Eltern bei der Ernährung ihrer Kinder achten, sagt Claßen. Kalzium etwa sei wichtig für den Knochenaufbau. Der Bedarf bei Kindern und Jugendlichen sei besonders hoch und sollte vor allem über Milchprodukte gedeckt werden. Bekommen Kinder zu wenig von dem Nährstoff, „gibt es akut zwar keine Symptome, dafür steigt das Risiko einer späteren Osteoporose (Knochenschwund)“, erklärt Claßen. Ebenfalls wichtig für den Knochenstoffwechsel ist Vitamin D und darüber hinaus auch für die Entwicklung des Immunsystems. Bei einem Mangel besteht die Gefahr, dass sich Allergien und echte Unverträglichkeiten bilden.

Mangelernährung durch Verzicht

Ein besonderes Problem stellen aus Sicht der Gastroenterologen aktuell die sogenannten „FODMAP- Diäten“ dar, die angeblich vor Reizdarm-Symptomen bewahren sollen. Dabei verzichten die Betroffenen auf bestimmte Zuckerstoffe wie Laktose, Fruktose sowie Lebensmittelzusatzstoffe wie Sorbitol, Isomaltit oder Xylit, die in vielen industriell verarbeiteten Lebensmitteln vorkommen. Diese Kohlenhydrate sind auch in Naturprodukten wie Früchten, Honig, Weizen, Knoblauch, Zwiebeln und Insulin in Gemüsen wie Bohnen, Sojabohnen und Linsen enthalten. Lässt man all das weg, wird die Ernährung schnell einseitig. „Wenn diese Diät, deren Wirksamkeit kaum belegt ist, nicht von Experten begleitet wird, ist die Gefahr einer Mangelernährung sehr groß“, sagt Dr. Martin Claßen.

Professioneller Ernährungsplan mit dem Arzt

Bei körperlichen Beschwerden wie den häufigen Bauchschmerzen sollten Kinder unbedingt ärztlich untersucht werden, rät Claßen besorgten Eltern. Es stünden eine Reihe einfacher Untersuchungsverfahren für Kinder zu Verfügung, um den Verdacht präzise abklären zu können. Gemeinsam könne man die beste und verträglichste Therapiemethode und eine passende Ernährung finden und den Prozess überwachen. So gebe es sogar Fälle, bei denen eine Unverträglichkeit wieder verschwunden ist, nachdem die Ernährung nur vorübergehend umgestellt wurde. „Wir Kindergastroenterologen haben die Fachkenntnisse über Erkrankungen im Bauch“, sagt der Arzt. Eltern sollten diese zugunsten der Gesundheit ihrer Kinder nutzen.

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