Infektionskrankheit Hepatitis C

Eine frühzeitige Diagnose von Hepatitis C kann Leben retten und vor Neuinfektionen schützen

Die Aufklärung durch Werbekampagnen und einen Hepatitis Tag ist wichtig, um unentdeckte Infektionen zu verringern. © ilovecoffeedesign / fotolia

Chronische Hepatitis C ist die große Unbekannte. Zwar sind 100.000 Deutsche wissentlich mit dem Hepatitis C-Virus (HCV) infiziert – statistische Erfahrungen legen aber die Vermutung nahe, dass weit mehr als doppelt so viele Menschen von ihrer Ansteckung nichts wissen. Dies ist insofern bemerkenswert, als dass Hepatitis C derzeit die einzige virale, chronisch verlaufende, Erkrankung ist bei der es Heilung gibt.

Hepatitis C – häufig unentdeckt

Lediglich bei circa zehn bis 20 Prozent der Betroffenen verläuft eine Hepatitis C-Infektion mild und heilt nach der akuten Phase schadlos aus. Das heißt, 80 bis 90 Prozent der Fälle nehmen einen chronischen Verlauf und werden vielfach nicht entdeckt. Denn es gibt keine spezifischen Symptome wie etwa Gelbsucht. Ständige Müdigkeit, Leistungsabfall und Appetitlosigkeit können zwar darauf hindeuten, letzte Sicherheit gibt aber nur ein Bluttest.

Kampagne zu Hepatitis C

Einer aktuellen GfK-Umfrage zufolge weiß nur jede(r) Zweite, dass die Krankheit lange unbemerkt bleiben kann. Um chronische Hepatitis C ins Bewusstsein zu rücken, startete im Juni die von der Initiative „Pro Leber“ ins Leben gerufene Kampagne „Bist Du Chris?“. Via TV, Internet und Printwerbung soll mithilfe des unisexen Vornamenskürzels dem Irrglauben entgegengetreten werden, dass Hepatitis C immer nur „andere“ betrifft. Gleichzeitig möchte man die Krankheit von ihrem Stigma befreien. Denn Hepatitis bedeutet Leberentzündung und da denken viele gleich an Alkoholmissbrauch.

HCV-Test

Tatsächlich ähneln die Infektionswege aber denen von AIDS: ungeschützter Geschlechtsverkehr, riskante Sexualpraktiken, verunreinigte Injektionsbestecke sowie Tätowierungen und Piercings. Das Hepatitis C-Virus ist allerdings etwa zehnmal so ansteckend wie das für AIDS verantwortliche HIV-Virus. Entscheidend ist, die Krankheit frühzeitig zu erkennen, um die fortschreitende Schädigung der Leber therapeutisch zu stoppen. Mit dem bereits erwähnten Bluttest lässt sich feststellen, ob eine Infektion vorliegt. Verläuft der sogenannte HCV-Antikörpertest negativ, liegen keine Anzeichen für HCV vor. Ein positives Ergebnis ist dagegen keinesfalls positiv. Denn dann besteht ein Verdacht auf HCV. Dieser wird mit einem weiteren Test (HCV-RNA) überprüft. Er ermöglicht den direkten Nachweis des Virus, beziehungsweise von Abschnitten seiner Ribonukleinsäure (Ribonucleicacid/RNA) im Blut. Hier sind zwei Ergebnisse möglich: Feststellung einer Erkrankung oder einer mutmaßlich ausgeheilten Hepatitis C. Im letzteren Fall empfiehlt sich eine Nachkontrolle nach sechs Monaten, im ersten Fall ist sofort eine Therapie einzuleiten.

Neue Heilungsmöglichkeit von HCV

Früher zog diese oft eine schlimme Leidensgeschichte nach sich. Denn die verfügbare Behandlung – meist mit Interferon – schlug oft nicht an, war langwierig und mit teilweise sehr starken Nebenwirkungen verbunden. Interferon ist ein körpereigenes Eiweiß, durch dessen künstliche Zugabe man sich einen Anschub der Immunabwehr erhoffte. Erst 2014 kamen neue Medikamente auf den Markt, die HCV direkt bekämpfen. Sie machen sich den Effekt zunutze, dass die Virus-DNA nicht, wie etwa bei HIV, die eigene Struktur überschreibt, sondern sich lediglich anheftet. Dadurch konnten Wirkstoffe entwickelt werden die das Virus ausschalten. Diese werden als Direkt-Antivirale-Arzneimittel bezeichnet (Englisch: Direct Antiviral Agents/DAA).Die Arzneimittelgabe kann bei über 95 Prozent der Betroffenen innerhalb weniger Monate eine völlige Heilung bewirken. Die maximal 24 Wochen dauernde Behandlungszeit beeinflusst nicht mehr die Psyche oder gar das ganze Lebensumfeld.

Einfacher Bluttest gegen Neuinfektionen

Die Zahl der jährlichen Neuinfizierten wird umso stärker sinken, je mehr Menschen sich routinemäßig dem einfachen Bluttest unterziehen. Aktuell wird Hepatitis C häufig erst bei einer Routineuntersuchung oder beim Blutspenden erkannt. Von der Ansteckung bis zu solchen Zufallsdiagnosen können mehrere Jahre vergehen. In dieser Zeit kann HCV Schäden verursachen, denn das Immunsystem kann die Virusvermehrung zu über 80 Prozent nicht verhindern. Die Leber kann zunehmend geschädigt werden, so dass nach Jahren bis Jahrzehnten bis zu 20 Prozent der Betroffenen an einer Leberzirrhose leiden. Jedes Jahr erkranken vier Prozent von ihnen an einem Leberzellkrebs. Die häufigsten Infektionen wird es in der Zukunft durch die Unwissenheit der Betroffenen geben. Daher ist die begonnene Aufklärungsarbeit wohl uneingeschränkt zu begrüßen.

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