Nicht alle mögen's heiß

Saunieren ist gesund – bei manchen ist dennoch Vorsicht angeraten

Häufige Saunagänge sind gesund, doch bei einigen Faktoren ist Vorsicht geboten.

Etwa 30 Millionen Deutsche gehen nach Angaben des Deutschen Sauna-Bundes mehr oder weniger oft zum Schwitzbad. Eine in aller Regel sehr gute Entscheidung: Denn wer die Sauna besucht, hat beste Aussichten länger zu leben. Das legt jedenfalls eine 2015 im Fachjournal JAMA Internal Medicine veröffentlichte Studie von Professor Jari Laukkanen und seinen Kollegen nahe. Die an der University of Eastern Finland tätigen Mediziner legten offen, dass stetes Saunieren das Risiko für die häufigsten Todesursachen – nämlich den plötzlichen Herztod und andere kardiovaskuläre Erkrankungen – senkt. Der Effekt ist umso größer je häufiger und länger das Saunieren erfolgt. Der renommierte Schweizer Kardiologe Gian Flury rät anlässlich dieser Ergebnisse Ärzten dazu, Patienten regelmäßiges Saunabaden als effiziente Primärprävention grundsätzlich zu empfehlen.

Risikofaktoren bei langen Saunagängen

Obwohl Saunieren Arzneimittel ersetzen kann, ist bei Anwendung derselben in bestimmten Fällen Vorsicht geboten. Wer neue Medikamente einnimmt, sollte sich vor dem Besuch des Schwitzbades sicherheitshalber erkundigen, ob Risiken bestehen. Auch vorsichtig sollte man bei dem Vorliegen einer akuten Erkrankung sein. Wärme kann Beschwerden verschlimmern. Mit einem grippalen Infekt, Fieber oder Entzündungen ist es am besten, ganz auf die Schwitzkur zu verzichten. Sportwissenschaftler und -mediziner Professor Dr. med. Reinhard Ketelhut, ebenfalls aus Berlin, empfiehlt bei folgenden Diagnosen mindestens einen Arzt zu konsultieren: schlecht eingestellter Bluthochdruck oder wiederholte Blutdruckkrisen, akuter Herzschwäche, Brustschmerzen mit sich ändernder Symptomatik (instabile Angina Pectoris) und weitere Herzerkrankungen, bei denen starke Belastungen vermieden werden sollten. Auch für Diabetiker ist Zurückhaltung angeraten, denn Insulin verklumpt bei Wärme schnell und verliert so seine Wirkung. Insulinpumpen sind vor dem Saunagang im Übrigen abzulegen. Venenbeschwerden sind kein Hinderungsgrund aber Anlass Verhaltensregeln zu beachten. Betroffene sollten keine Sitzhaltung einnehmen, sondern mit leicht erhöhten Beinen liegen, damit das Blut nicht in den Krampfadern versackt.

Tipps für Anfänger

Gering gefährdet sind auch Anfänger. Saunameister Christian Bartelt aus Berlin rät ihnen, zunächst Zurückhaltung zu üben. Kühlere Saunen mit Temperaturen von um die 50 Grad Celsius und eine Verweildauer von nicht mehr als zehn Minuten würden dafür sorgen, dass der Kreislauf nicht zu sehr belastet wird.

Keine Pflaster oder Salben in der Sauna

Eher harmloserer Natur aber gut belegt sind Problematiken mit bestimmten Pflastern und Salben. Gerade wirkstoffhaltige Pflaster, wie solche, die gegen Nikotinsucht oder Schmerzen eingesetzt werden, sind kritisch, denn bei Hitze gehen mehr Wirkstoffe schneller ins Blut. Das kann unerwünschte Nebenwirkungen verstärken und beispielsweise die Atmung beeinträchtigen. Das passiert natürlich nur, wenn das Pflaster kleben bleibt, was aufgrund des Schwitzens keinesfalls gewährleistet ist. Insofern ist aus gleich zweierlei – wenn auch völlig konträren – Gründen von Pflastern abzuraten. Das gleiche gilt für Rheumasalben. Gerade wärmende Präparate reizen kombiniert mit äußerer Hitze die Haut zu stark und können zum Beispiel Juckreiz auslösen.

Wohltat für die Gesundheit

All dies sollte aber den allergrößten Teil der Bevölkerung nicht besorgen, denn für die breite Mehrheit ist – wie oben erwähnt – die Sauna eine Wohltat und lebensverlängernde Maßnahme. Wer sicher beschwerdefrei ist oder vom Arzt grünes Licht bekommt, kann sich also bedenkenlos ins Saunavergnügen stürzen.

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