Schlaganfall trifft auch junge Menschen

Lange Zeit galt der Schlaganfall als Krankheit von Senioren, aber neue Studien verdeutlichen, dass er oftmals auch Patienten unter 55 Jahren trifft

Auch Menschen unter 55 Jahren erleiden Schlaganfälle. © VOLKER WITT / FOTOLIA

Noch immer ist das Alter der Risikofaktor Nummer eins für den Schlaganfall. Doch neuere Studien gehen davon aus, dass der Anteil der jüngeren Betroffenen größer ist als früher angenommen. „Wir gehen in Deutschland von 30 000 Betroffenen unter 55 Jahren pro Jahr aus“, sagt Dr. Lars Kellert, Oberarzt am Universitätsklinikum München.

Risikofaktoren für Schlaganfälle

Gemeinsam mit renommierten anderen Autoren hat der Neurologe zahlreiche Studien zum Thema Schlaganfall bei jüngeren Menschen ausgewertet und die Ergebnisse zusammengefasst. Diabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen sind klassische Risikofaktoren, die zu einem Schlaganfall führen können. Häufig münden diese in einer Arteriosklerose, die schließlich einen Gefäßverschluss verursachen kann. „Doch diese Ursachen spielen bei jungen Menschen fast keine Rolle“, sagt Kellert.

Ursache Gefäßdissektionen bei jüngeren Menschen

Stattdessen seien bei jüngeren Betroffenen unter anderem sogenannte spontane Gefäßdissektionen einer Halsarterie verantwortlich. Dabei kommt es durch eine kleine Verletzung zu einem Einriss in einer Gefäßinnenwand. In der Folge bildet sich ein Wandhämatom, das wiederum zu einer Engstelle oder sogar zu einem Gefäßverschluss führt. „Diese Patienten sind oftmals erst Mitte 40 oder sogar jünger, im höheren Lebensalter sind solche Dissektionen eine Rarität“, erläutert der Experte aus der bayerischen Landeshauptstadt.Nach der Studienlage geht das wissenschaftliche Autorenteam davon aus, dass 15 bis 25 Prozent der sogenannten juvenilen Schlaganfälle (unter 55 Jahre) durch solche Dissektionen entstehen. Andere seltenere Schlaganfallursachen sind zum Beispiel Blutgerinnungsstörungen. Schlaganfälle bei jüngeren Menschen sind deshalb komplexer und sehr viel schwieriger zu diagnostizieren.

Unklare Schlaganfall-Ursache

In 30 bis 50 Prozent der Fälle wird die Schlaganfall-Ursache trotz intensiver Diagnostik nicht gefunden. Viele Patienten fürchten sich deshalb vor einem wiederholten Schlaganfall. Für sie hat der Experte jedoch eine gute Botschaft. „Wenn man keine eindeutige Ursache findet, ist das Wiederholungsrisiko wesentlich geringer“, erklärt Kellert. „Sie müssen zwar lernen, mit dieser Unsicherheit zu leben, aber im Prinzip ist das die bessere Nachricht.“

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